lisapetete

Im März 2011 besuchte ich Verwandte in Aspen, Colorado. Wir Österreicher sind in Sachen Promi-Skiorte ja einiges gewöhnt, Aspen kann das aber noch toppen. Im Kitzbühel Amerikas läuft kaum jemand auf der Straße herum, der nicht eine außergewöhnliche Geschichte zu erzählen hätte. Eine der vielen Personen, die ich dort kurz kennenlernen durfte, war Martha Luttrell. Zwischen Kaffeehaus und Bookshop wurden wir einander vorgestellt und wechselten ein paar Worte, erst dann erfuhr ich, dass sie quasi mit ganz Hollywood auf Du und Du ist: In der Mailingliste von Martha zu landen kann schon kurios sein, da ist man dann in CC mit Tom Cruise und Co. Als dieses Jahr die Oscars näher kamen erinnerte ich mich an das kurze Treffen und kontaktierte Martha, die als Schauspiel-Agentin für ihre Stars beim Oscar Stammgast war. Kaum fiel das Schlagwort plauderte sie fröhlich aus dem Nähkästchen:

Veröffentlicht auf KURIER.at am 24.2.2012.

Martha Luttrell war als Agentin von Stars wie Susan Sarandon Stammgast bei den Oscars. KURIER hat sie einige Andekdoten erzählt.

KURIER: Verfolgen Sie die Oscar-Verleihung noch, jetzt wo Sie in Pension sind?

Martha Luttrell: Ja, ich bin aber sehr froh, dass ich den Rummel von der Couch aus im TV sehen kann und nicht mehr dabei sein muss. Ich war immerhin 36 Jahre lang im Business, das war genug. Früher haben wir die Verleihung mit in paar Freunden auch manchmal bei Housepartys angeschaut, die hatten es aber in sich (lacht).

Sie wussten sicher zu feiern …

Natürlich, dort wurden sogar Ehen begründet. Einmal war Billie Friedkin (Filmemacher, bekannt für “Der Exorzist”, “The French Connenction” oder heute auch mitwirkend bei “C.S.I. – Den Tätern auf der Spur, Anm. d. Red.) mit einer Sherry Lansing, jahrelang Präsidentin von Paramount Pictures und eine Freundin von mir, dort. Sie kannten sich erst ganz kurz. Drei Monate später haben sie geheiratet und sind es noch bis heute zusammen, und zwar glücklich. Billie ist übrigens gerade in Wien, weil er in Wien die Oper “Les contes d`Hoffmann” inszeniert, die sollten Sie sich alle anschauen. Premiere ist am 19. März im Theater an der Wien.

Wie hat der Oscar die Karrieren ihrer Klienten Susan Sarandon (Oscar 1995, nominiert 1984), Stephen Rea (nominiert 1993), oder Judy Davis (nominiert 1984 und 1992) beeinflusst?

Falls das eine Anspielung auf den sogenannten “Oscar-Fluch” sein soll – daran glaube ich nicht. Die Auszeichnung ist für jeden Schauspieler sehr wichtig, obwohl das Tamtam für die meisten eine große Belastung ist.

Inwiefern?

Es sind verständlicherweise alle extrem nervös. Dann sagt auch noch jeder dem Nominierten, dass er “sicher gewinnen wird”. Bei dieser Aussage zog sich immer mein ganzer Magen zusammen. Wenn dann die Gewinner und Verlierer feststehen, gibt es nichts Besseres als gemeinsam mit den Gewinnern zu feiern. Die, die nicht gewonnen haben, bekommen dann eben ein paar Drinks mehr. Oft ist es auch hart, wenn zwar der Schauspieler einen Oscar bekommt für einen Film, nicht aber der Regisseur. Als Susan Sarandon zum Beispiel für “Dead Man Walking” den Oscar bekommen hat, ging ihr Partner Tim Robbins leer aus.

Was war für Sie der schönste Moment bei den Oscars?

Das war 1981, als Mary Steenburgen für ihre Rolle in “Melvin and Howard” nominiert war. Bei der Verleihung war sie bereits hochschwanger und auch höchst aufgeregt. Wir hatten schon Angst sie würde das Kind jeden Moment bekommen. Dann hat sie auch noch gewonnen. Alle haben sich so für sie gefreut, es war einmalig. Und das Baby kam zum Glück etwas später.

Können Sie sich noch an ein kurioses Ereignis bei den Oscars erinnern?

Da gibt es einige. Recht amüsant war der Moment, als ich mit Judy Davis in der Limousine am Weg zur Verleihung war. Judy hat versehentlich Wasser auf ihr Armani-Kleid geschüttet. So konnte sie natürlich nicht aus dem Auto aussteigen und den Red Carpet betreten. Und was sagt sie? “Was für ein Glück! Jetzt muss ich nicht zur Verleihung!” Judy Davis dachte ernsthaft, der Abend bleibt ihr erspart. Wir sind aber zuerst Backstage zur Outfit-Notversorgung gefahren und dann erneut beim Haupteingang aufgetreten. In den Limousinen am Weg zur Verleihung kann überhaupt noch ganz viel passieren: Als Susan Sarandon bereits das fünfte Mal nominiert war, gingen im Auto ihre Ohrringe kaputt. Aber dann gewann sie, also kein schlechtes Zeichen! (lacht)

Wie läuft der Voting-Prozess ab?

Ich bin zwar Mitglied der Academy, darf aber als Agentin nicht für die Oscars abstimmen. Wir haben jahrelang versucht, dass auch die sogenannten “Associate Members” der Academy abstimmen dürfen, immerhin haben wir einen interessanten Standpunkt zu vertreten. Es ist uns aber leider nicht gelungen. Ich bekomme aber immerhin alle Filme vorher zugeschickt.

Schauen Sie sich alle an?

Eigentlich schon. Es sind gar nicht so viele, und Dokumentationen sind nicht dabei. Sagen Sie den Leuten aber nicht, wo ich wohne (lacht). Wenn die falsche Person eine DVD, die an mich adressiert ist, in die Hand bekommt, könnte das schlimme Folgen für mich haben. Sie Filme sind nämlich alle gekennzeichnet und wenn einer davon im Internet landet … Sie können sich vorstellen, was dann passiert.

Die Biografie: ein American Dream

Die Oscar-Partys hatten es in sich: “Wir haben oft bis zum Morgengrauen gefeiert.”Martha Luttrell hat 36 Jahre lang als Agentin in Hollywood Stars wie Susan Sarandon und Steven Rea betreut. Den Oscar-Rummel kennt sie nur allzu gut. Als Martha Luttrell Anfang der Achtziger Jahre als Agentin in Hollywood anfing, war sie als Frau dort eine absolute Ausnahme.

“Für die Generation meiner Mutter gehörte es zur einzigen Aufgabe einer Frau, eine gute Ehefrau und Mutter zu sein”, erinnert sie sich. Luttrell entschied sich aber für einen anderen Weg: Bereits mit 18 zog die Balletttänzerin von Vancouver nach Los Angeles um dort den American Dream zu leben: Den Anfang machte sie als Empfangsdame bei einem Plattenlabel, bald darauf landete sie als Assistentin bei Mike Nichols, der gerade an einem Film namens “Catch 22” arbeitete: “Die Jahre mit Nichols waren mein Harvard” resümiert sie. Fünf Jahre, drei Filme und zwei Broadway-Produktionen später hatte Luttrell die Einflussreichsten Hollywoods und das Filmbusiness kennengelernt. Ein Bekannter schlug ihr schließlich vor, mit ihm gemeinsam eine Agentur aufzumachen. “Ich hielt das für keine besonders gute Idee. Ich mochte Agenten nicht. Außerdem wirkte der Job auf mich weder passend für eine Frau noch interessant. Tatsächlich gab es damals fast gar keine Frauen, die als Agenten arbeiteten. Aber ich hab’s dann probiert und den Job lieben gelernt.”

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  • February 24, 2012

Autorin: Lisa Stadler, veröffentlicht auf KURIER.at am 14.2.2012.

Es mehren sich die Nachrufe auf die Subkultur des Hipsters. Gab es ihn in Österreich überhaupt, wie sah er aus und ist er wirklich tot?

Trucker-Kapperl, weiße Socken von der Modekette American Apparel, Hornbrillen in Übergröße, enge Hosen, popkulturelle Referenzen an Peinlichkeiten aus den 80er Jahren am T-Shirt und vielleicht noch ein Schnauzer – so laufen einige junge Menschen in den Großstädten dieser Welt herum. Was auf den ersten Blick wie unglaublich geschmacklos gekleideter “White Trash” rüberkommt, sind die sogenannten Hipsters. Ideologisch wird es noch komplizierter – oder auch einfacher: denn der Hipster hat keine Meinung, ist sehr wandelbar – und hoch gebildet.

Kaum erklärt und schon vorbei?

Nun soll auch schon wieder das Ende des Hipsters gekommen sein. Denn spätestens wenn der Feuilleton darüber schreibt, sieht es für die Subkultur schlecht aus. Hierzulande fand etwa beim Falter ein Abgesang auf den Hipster statt, das Magazin The Gap schrieb einen Nachruf – unter anderem als Reaktion auf das Anfang des Jahres im renommierten Suhrkamp-Verlag auf Deutsch erschienenen Buch “Hipster. Eine transatlantische Diskussion”. Der New Yorker Mark Greif von n+1 versammelt darin als Herausgebe mehrere Experten, um sich dem Wesen des Hipsters sozialwissenschaftlich zu nähern. Nach der Lektüre ist klar, dass der Hipster keine klar definierten Grenzen hat, es aber doch ein paar wichtige Wesenszüge gibt, die an ihm festzumachen sind: Unpolitisch, hedonistisch und konsumorientiert wandelt er durch die Online-Stores dieser Welt und überlegt sich, welche ironische Geste er mit seinem neuen T-Shirt anstreben könnte.

Wie sieht es nun in Österreich aus? Jonas Vogt, Redakteur bei The Gap und gelegentlich beim Hipster-Leitmedium Vice tätig, sieht das Hipstertum als Phänomen der Nuller-Jahre, das als abgeschlossen betrachtet werden kann. “Der Hipster als geschlossenes Phänomen, also die stilistische Oberfläche mit Schnauzbart und Co. ist auch hier quasi tot. Was aber bleibt, ist das Aneignen von verschiedenen anderen popkulturellen Codes.” Das Internet begünstigte laut Vogt die Entstehung des Hipsters, trug aber auch zu seinem Niedergang bei: “Früher war es schwierig, Insiderwissen zu bekommen. Man musste bestimmte Leute fragen, wenn man wissen wollte, was angesagt ist. Durch das Internet wurde es für jeden leicht, neue Trends einfach zu googeln und die richtigen Orte zu finden. Andererseits findet aber auch das Einprügeln auf den Hipster im Internet statt.

Eine bemitleidenswerte Figur

“Hipster – Eine transatlantische Diskussion” erschien Anfang 2012 im Suhrkamp Verlag. Erhältlich um € 18 im Paperback, Kindle-Version um € 14.Auf die Frage, ob er sich selbst als Hipster bezeichnen würde, bestätigt Vogt eine Feststellung aus dem Buch von Mark Greif: “Es gibt niemanden, der sich selbst als Hipster bezeichnen würde, außer es ist an sich schon wieder eine ironische Aussage. Einerseits ist Hipster also eine Beleidigung, andererseits kann man diese Bezeichnung auch als Statement tragen. Hier sieht man auch ganz gut die postironische Falle, in die die meisten Hipster treten: Wenn alles ironisch ist, inklusive der Ironie, bleibt halt keine Aussage mehr übrig. So bleibt nur eine Oberfläche bestehend aus Mode-Statements. Insofern ist der Hipster durchaus eine bemitleidenswerte Figur, wobei wir aber infrage stellen müssen, ob es diesen Prototypen wirklich gibt.”

Ob tot, halbtot oder noch lebendig: Nachdem die zwei Jahre Abstand zu den Nuller-Jahren ein Resümee über den Hipster erlauben, bleibt die noch viel spannendere, noch unbeantwortete, Frage: Was kommt nach dem Hipster? Bis wir diese Erkenntnis erlangt haben, können Sie nach ein paar Überbleibseln suchen: Bei American Apparel in der Mariahilferstraße, manchmal in der Pratersauna oder auch bei einer der Vice-Partys – falls sie davon erfahren und auch reinkommen.

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  • February 14, 2012
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Da schaut man mal zur Abwechslung eine Ausstellung an und schon fällt es einem wie Schuppen von den Augen: Fotografieren ist nicht nur eine Frage der Technik.

Die Geschichte geht so: ETEPETETE besucht nach einer Auflegenacht in der Postgarage das Atelier Jungwirth, wo der Schweizer Bruno Bisang, der schon Claudia Schiffer, Naomi Campbell, Tyra Banks und und und fotografiert hat, seine Bilder zeigt. Wie zu erwarten gibt es dort viel Haut und wenig Kleidung zu sehen, und justament fällt Nanepetete Folgendes ein: Wir, ETEPETETE, die wir immer bedacht darauf sind, genug Kleidung am Leib zu tragen, lassen uns vor einem Aktfoto von Bruno Bisang ablichten, zeigen auf das Bild, posten es auf Facebook und schreiben dazu “ETEPETETE zeigt nackte Haut”. Meta eben.

Schritt 1: Wir fragen jemanden, der mit dem iPhone ein Foto macht. Der nächstbeste Ausstellungsbesucher ist auch so nett und bringt nach einer Minute DAS hier zustande:

Wir nehmen das hin, weil mit dem iPhone ja eh nichts anderes zu erwarten.

Schritt 2: Als wir fast schon wieder am Weg zum Ausgang sind, bemerken wir, dass Bruno Bisang himself auch vor Ort ist. Nun der Geistesblitz: Wie lässig wäre ein Meta-Foto von uns vor dem Foto, das auch noch der Starfotograf selbst macht? Ein paar Minuten stehen wir wieder vor dem Bild, mit Bruno Bisang als Fotograf. Ungefähr eine Minute lang nehmen wir alle möglichen Befehle bezüglich Haltung, Blick, etc. von ihm entgegen und er schießt (das erste Mal in seinem Leben ein iPhone in der Hand habend) dieses Foto.

(c) Bruno Bisang

Man werfe nochmal einen Blick auf Version 1.

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  • February 12, 2012
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Autorin: Lisa Stadler, veröffentlicht auf KURIER.at am 3.2.2012

Mit Versatzstücken einer Obama-Rede lässt Grazer auf interaktiver Website beliebig neue Reden erstellen.

aben Sie Staatstragendes zu verkünden? Obama persönlich wird es für Sie erledigen. Dafür müssen die User einfach nur auf Speechmix.com ihre gewünschten Satzteile auswählen und fertig ist die personalisierte Präsidenten-Rede.

Bald Faymann im Remix?

Für Speechmix hat sich Max Min zwei Wochen lang an den Computer gesetzt. Der 33-jährige Grazer ist Musiker. Kein Zufall also, dass er sich bei seinem Projekt “Speechmix” der Methode des Mixens bedient. Die Website ist seit Ende 2011 online und befindet sich noch in der Beta-Phase. “Es gibt momentan ca. 60 Speechmixes der Obama-Rede. Ich werde aber im Laufe der Zeit weitere Reden hinzufügen. Die User können sich dann also aussuchen, welche Rede sie remixen. Ich freu’ mich schon darauf, zum Beispiel einen Werner Faymann zu mixen.” verrät Max Min.

Webprojekte zwischen Schmäh, Kunst und politischem Aktionismus

Aktionen wie die von Max Min sind Beispiele für eine neue Ausdrucksform, die durch die Möglichkeiten des Internets und Social Media entstanden sind: Mit ein bisschen Übung kann jeder kleine Webprojekte umsetzen und diese dann über die sozialen Netzwerke verbreiten. Wenn das Ganze sich auch noch humorvoll mit aktuellen Geschehnissen auseinandersetzt, können sich derartige Aktionen zum virtuellen Selbstläufer entwickeln. Die meisten Internet-Hypes kommen aus dem US-amerikanischen Raum, wir dürfen gespannt sein, ob mit den Politiker-Videos von Max Min vielleicht ein Trend in Österreich seinen Ausgang nimmt.

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  • February 2, 2012

Autorin: Lisa Stadler, veröffentlicht auf KURIER.at am 31.1.2012

Thomas Gensemer, Obamas Online-Kampagne-Chef, ließ beim Campaigning Summit in seine Trickkiste blicken.

ie schaffte es Obama bloß im letzten Wahlkampf so viele Menschen für Politik zu begeistern und auch noch bedeutende Summen Geldes zu sammeln? Wie steht es um politische und nicht politische Kampagnen in Österreich und was kann hier verbessert werden? Beim Campaigning Summit in Wien, organisiert von Ex-ÖVP-Marketingleiter Philipp Maderthaner, widmeten sich die Vortragenden diesen und mehr Fragen: Mit dabei waren der Organisator selbst, Niko Alm (Laizismus-Kämpfer und Mikromischkonzern-Chef), Christoph Bieber (NRW School of Governance), Alexander Oswald (Head of Marketing CEE, Nokia) und Thomas Gensemer, das Mastermind der Online-Kampagne von Barack Obama.

Wie es aussieht, hat Österreich in Sachen Online-Campaigning gegenüber den USA noch sehr viel aufzuholen. In Amerika werden laut Maderthaner politische Anliegen anders transportiert, es werden ganz klare Botschaften vermittelt, was erreicht werden soll, und vor allem warum. “Was wir lernen können ist, dass dort Unterstützer und Wähler viel aktiver in Kampagnen miteingebunden werden. Und man beherrscht dort auch die große Kunst der Einfachheit, eine Reduktion auf das Wichtige. So ist es viel einfacher Bewegungen zu erzeugen und das Potenzial der Menschen zu nützen.” Was Social Media in Österreich betrifft, hat Maderthaner kritische Worte übrig. Es werde nicht so sehr die Frage gestellt, welchen Nutzen man erzeugen will, als auf welcher Plattform man sein will. “Wir haben das wunderbar beim Facebook-Auftritt von Werner Faymann gesehen. Ich denke die einzige Motivation warum er dort aktiv geworden ist, war es Print-PR zu gewinnen, nicht um mit den Usern zu interagieren.” resümiert der Organisator.

“Wir wissen, wer unsere Wähler sind.”

Interaktion ist Gensemer und seinem Team schon lange kein Fremdwort mehr. Sie sind mit ihrer Online-Kampagne, in der Social Media groß geschrieben wurde, wesentlich mitverantwortlich für den Sieg Obamas 2008. Die Zahlen sprechen für sich: Gensemer konnte mit der Kampagne 13,5 Millionen Unterstützer gewinnen und 500 Millionen Dollar sammeln. Dieses Jahr geht es in die nächste Runde: Während gerade Obama in seinen Reden die Wogen glätten und sich von der Parteipolitik verabschieden wollte, polarisiert der Präsident nach einem Jahr im Amt mehr als jeder andere zuvor. Zugleich hat er mit der Finanzkrise zu kämpfen, die auch dazu führte, dass die Amerikaner ihr Vertrauen in die Politik verloren haben. Und die Republikaner nennen den nach Harmonie strebenden Obama einen “Naivling”, “arroganten Sozialisten” und “Loser”. Wie Gensemer und sein Team der neuen Herausforderung begegnen, erzählte und der Kampagnenmanager selbst:

KURIER: Was hat sich seit der letzten Wahl für Sie verändert? Was möchten Sie jetzt anders machen?

Thomas Gensemer: Die Politik hat sich verändert. Zum Einen sitzen wir jetzt im Weißen Haus und haben die Verantwortung, zum Anderen haben wir mit der Finanzkrise zu tun. Die Erwartungen der Leute da draußen sind also größer als 2008 und wir müssen sie wieder mit einbinden, wahrscheinlich auf eine direktere Art und Weise. Technisch gesehen müssen wir uns jetzt auf das große Wachstum von mobilen Endgeräten einstellen, insbesondere Smartphones. Es geht jetzt darum, “mobile” überall zu integrieren. Diese Dinge werden nach außen kaum wahrgenommen, sind aber ganz wichtig für uns, damit wir die Leute mit unseren regionalen Inhalten zielgruppengerecht erreichen. Es müssen also die Daten für alle Channels richtig aufbereitet werden. Außerdem sind Facebook und Twitter noch wichtiger geworden, auf Facebook haben wir zum Beispiel schon im April losgelegt mit der Kampagne. Der große Unterschied zwischen Europa und Amerika ist auch, dass wir wissen, wer unsere Wähler sind, wir haben viel mehr Daten zur Verfügung. Wenn sich die Wähler also online anmelden, können wir mit dieser Information sehr viel anfangen. Das macht das Targeting viel leichter und unsere Kampagne im Vergleich zu 2008 besser.

Wäre Ihnen Gingrich oder Romney lieber als Gegner und inwiefern würden sie ihre Strategie je nach Opponent adaptieren?

Wir haben keinen Wunschgegner. Es macht Spaß sich den Rummel von der anderen Seite anzusehen, und unsere Kampagne ist für alle Eventualitäten gerüstet. Egal wer unser Gegner sein wird, es wird eine knappe Wahl. Im Grunde geht es darum die Leute wieder zu mobilisieren, die uns letztes Mal zum Sieg verholfen haben. Der Präsident ist mit Sicherheit in einer anderen Position als vor ein paar Jahren, was Vor- und Nachteile mit sich bringt, wir wollen auf jeden Fall eine intelligente Debatte mit den anderen und sorgen gerade dafür, dass eine gewisse Basismobilisation stattfindet, um für den Wahlkampf gerüstet zu sein. Jedenfalls wäre es dumm von uns unsere Gegner zu unterschätzen, denn auch sie haben sehr gute Kampagnen.

Wie gehen Sie mit Kritik im Wahlkampf, insbesondere in Social Media um?

Wir setzen hier stark auf das Potenzial unserer Unterstützer da draußen. Wird zum Beispiel falsche Information über Obama im Netz gepostet, sehen das oft die Supporter zuerst und reagieren darauf. Es gibt auch eigene Taskforces, die darauf spezialisiert sind, sich um diese Dinge zu kümmern. Das sind Freiwillige, die sich melden.

Ein User auf Twitter fragt, ob Sie bei dieser Kampagne wieder mit Shepard Fairey arbeiten? (Anm. d. Red.: Künstler, von dem das berühmte “HOPE” Plakat von Obama im letzten Wahlkampf stammt.)

Das weiß ich leider nicht.

Wie wird Twitter bei diesem Wahlkampf eingesetzt und wie werden die Accounts betreut?

Dieses Mal ist es etwas anders, weil sowohl Inhalte von Mitarbeitern aus dem Weißen Haus gepostet werden als auch Inhalte zur Kampagne. Barack Obama twittert ab und zu selbst, Michelle Obama hat auch gerade einen Account gestartet. Es gibt auf jeden Fall große Teams, die sich um die Inhalte der Accounts kümmern.

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  • January 31, 2012

Autorin: Lisa Stadler, veröffentlicht auf KURIER.at am 18.1.2012

Nischenevents im Untergrund: Dafür war das Roxy jahrelang eine der wichtigsten Adressen in Wien. Bald gibt es die letzte Party.

“Liebe Gäste, Freunde, Veranstalter, eine Ära geht zu Ende! Leider müssen wir Euch mitteilen, dass der Club Roxy mit Ende-März zugesperrt wird! Wir möchten uns bei allen treuen Gästen bedanken und hoffen Euch bis 31.3.2012 im Club nochmal begrüssen zu dürfen! feiert mit uns ein letztes mal im legendären ROXY! Wünschen Euch alles gute und bis bald! Euer Roxy-Team”. Mit diesen Worten gab der kleine Club in der Operngasse 24 sein Ende bekannt.

Gerade wird die Wiener Clubszene für ihre Vielfältigkeit gerühmt, in den letzten Jahren hat sich mit Pratersauna, Market, Werk, Grelle Forelle und wie sie alle heißen viel getan. Vielleicht sogar zu viel. Das gut gelegene Roxy mit seinem Schmuddel-Flair öffnet jedenfalls bald zum letzten Mal die Türen für eine Party.

Was ging ab?

Hier war Platz für Nischen-Events aller Art. Das Message-Magazin zum Beispiel lud gerne ins Roxy für die eine oder andere Hip-Hop-Nacht, oder auch das Vice schaute mit Leser-Entourage ein paar Mal vorbei. Wenn man spätnachts heil die steilen Stufen hinabgestiegen ist erwarteten ein enger, verrauchter, ein bisschen versiffter Raum mit viel Platz für die Bar, Spiegeln und Fell – die perfekte Mischung für eine Fortgehnacht, die etwas länger dauert. Daniel Shaked von The Message resümiert auf KURIER-Anfrage: “Wir haben legendäre Partys gefeiert im Roxy und sind nun seid über zehn Jahren regelmäßig dort. Es ist sehr tragisch, dass es zumacht, vor allem auch, weil es eines der letzten Lokale war, das in dieser Größenordnung funktioniert hat.”

Die Nachfrage nach etwas Abwechslung im Nachtleben bringt das Kommen und Gehen der Clubs eben mit sich. Roxy, es war uns eine Ehre – wir hoffen, dass Wien uns würdige Nachfolger liefert.

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  • January 18, 2012
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Autorin: Lisa Stadler, veröffentlicht auf KURIER.at am 12.1.2012

Alle Kandidaten diskutieren im TV – nur Putin nicht. Die Opposition nennt den Premierminister einen Feigling.

Wie der Kommersant am Donnerstag berichtet, gab der Pressesprecher von Putin bekannt, dass der Kandidat für die Präsidentschaftswahl mit seinen Aufgaben als Premierminister zu beschäftigt sei, um an den TV-Debatten vor der Wahl am 4. März persönlich teilzunehmen. Stattdessen werden aber Vertreter geschickt und die Sendezeit, die dem Kandidaten zur Verfügung steht, auf jeden Fall genützt um das Wahlprogramm zu vermitteln.

Die politischen Gegner Putins zeigen sich gar nicht begeistert davon. Die Absage bei den TV-Diskussionen interpretieren sie als Unfähigkeit auf Kritik zu reagieren und vor allem als Geringschätzung am Dialog. “Würde Sarkozy das gleiche tun, wäre er längst kein Politiker mehr,” meint etwa Gennadij Gudkov von der Partei Gerechtes Russland dem Kommersant gegenüber.

Indes nimmt die Kritik an Putin nicht ab. Nachdem bereits Zehntausende auf den Straßen demonstriert haben um ihren Unmut über die vermutete Wahlfälschung bei den Parlamentswahlen im Dezember 2011 zu zeigen, sind weitere Proteste am 4. Februar geplant.

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  • January 12, 2012

Autorin: Lisa Stadler, veröffentlicht auf KURIER.at am 20.12.2011

Aufregung durch harsch formulierte Facebook-Suche nach Täter, der Zug mit Graffiti beschmiert haben soll.

Graffiti auf der WESTbahn! Für Hinweise, die zur Ergreifung des Täters führen, ist eine Belohnung in der Höhe von 5.000 Euro ausgesetzt. Gestern zwischen 20.45 und 21.00Uhr in Salzburg hat jemand einen großen Fehler begangen. Er hat die WESTbahn beschädigt. Das Graffiti wurde so schnell wie möglich entfernt. Es zahlt sich also nicht aus. Hinweise nimmt die Polizeidienststelle am Hauptbahnhof in Salzburg und die WESTbahn entgegen!” Dieses Posting der Westbahn löste am Dienstag Vormittag eine heftige Diskussion unter Facebook-Usern aus:

Während die einen die Westbahn unterstützen finden andere die Reaktion des Schienen-Neulings übertrieben. Der User Roland B. Seper etwa rügt die Westbahn für ihre “Law & Order-Kampfrhetorik”, der Poster Hans Christian Voigt wiederum sieht im Graffiti am Zug keine Beschädigung.

Geschäftsführer Stefan Wehinger reagierte schnell auf die Kritik: “Ich verstehe keinen Spass in diesem Zusammenhang und wir werden NULL Toleranz nach Ergreifung der Täter einräumen.” Dieses Statement rief nur noch mehr Postings hervor. Schließlich führte ein weiteres Kommentar von Wehinger zu noch mehr Aufruhr. Wehinger schrieb als Antwort auf einen Vorwurf an die Westbahn, dass ein Zug ein Signal überfahren habe: “Sie haben bis 18:00 Zeit diese unrichtigen Anschuldigungen im Sinne einer strafrechtlichen Kreditschädigung zurück zu nehmen. Danach erfolgt die Anzeige bei der Staatsanwaltschaft auf Basis dieses Strafttatbestandes.”

Kommunikation 2.0

Kritisiert wird von vielen Usern auch, dass die Westbahn, insbesondere Wehinger, viel zu harsch mit den “Fans” umgehe. Bestraft wird die Westbahn mit einem sogenannten “Shitstorm”, einer großen Anhäufung an Kritik auf Facebook, die sich schnell weiterverbreitet. Wie sich die Diskussion weiterentwickelt, wird sich zeigen. Ein Shitstorm muss für ein Unternehmen aber nicht unbedingt ein großer Schaden sein, in manchen Fällen gewinnt die Page sogar zusätzliche Facebook-Fans.

Manfred Mader, der Social Media Manager für die Westbahn, gibt sich gelassen, was die Diskussion betrifft: “Wir haben auf Facebook berichtet dass ein Zug verschmiert wurde, haben unsern Unmut geäußert und eine Belohnung für zweckdienliche Hinweise versprochen. Manche fanden die Vorgehensweise gut andere nicht.”

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  • December 20, 2011