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Der Text ist ursprünglich bei derStandard.at erschienen.

Seit die “New York Times” ihre Social-Media-Guidelines präzisiert hat, wird auch in Österreich immer wieder nach strengeren Regeln für Journalistinnen und Journalisten gerufen. Nach einigen Jahren des aktiven Postens ist vielen Unternehmen, nicht nur Medienunternehmen, der Umgang ihrer Mitarbeiter mit ihrer Öffentlichkeitswirksamkeit aus den Händen geglitten. Oder, besser gesagt: In letzter Zeit realisieren sie diesen Kontrollverlust, den es seit der Existenz von Social Media gibt. Wo vor ein paar Jahren noch alle Journalisten ermutigt wurden, Twitter und Facebook zu nutzen, fürchtet sich jetzt so manche Chefetage davor, dass es zu viel verwendet wird – weil es eben oft zum Nachteil der Unternehmen ist.

Was also tun bei Arbeitnehmern, die während ihrer Arbeitszeit exzessiv twittern, bei Breaking News Situationen zuerst auf Facebook posten anstatt die Redaktion zu informieren oder die ihre private Teilnahme bei Demos posten und somit ihre politische Einstellung öffentlich teilen? Gar nicht zu sprechen von jenen, die rüpelhaft andere beschimpfen oder gar bedrohen.

Es gibt längst klare Regeln

Die erste Reaktion bei vielen Unternehmen ist: “Wir brauchen strenge Regeln und eine Arbeitsgruppe.” Das ist nachvollziehbar, aber aus meiner Sicht vergeudete Zeit. Denn diese Regeln gibt es längst, sie sind generell bekannt unter “journalistischer Ethos”: Kein Medienmensch würde denken, dass oben genannte Faux-Pas zum Beispiel auf Podiumsdiskussionen oder im Kommentar des eigenen Mediums passend wären. Und jeder – zumindest bei Qualitätsmedien – weiß, dass Objektivität in Berichten wichtig ist und Kommentare klar gekennzeichnet sein müssen. Und trotzdem liest man ständig Postings in sozialen Netzwerken, bei denen man eigentlich nur den Kopf schütteln kann.

Die schönste Guideline wird das nicht lösen

Aber auch die am besten formulierten Regeln werden das Problem nicht beseitigen. Gerade beim STANDARD setzen wir immer schon auf Eigenverantwortung und darauf, dass alle Kolleginnen und Kollegen intelligent und vernünftig sind. Alle Journalisten könnten theoretisch jederzeit die komplette Seite 1 umbauen und zum Beispiel ihren eigenen Artikel zum Aufmacher machen. Das tun sie aber nicht, oder eben nur, wenn es sinnvoll ist. Meistens werden soziale Netzwerke ja auch vernünftig bedient.

Dialog über jeden einzelnen Fall

Eine klare Bedienungsanleitung gegen Social-Media-Fails gibt es aber nicht, und das ist genau der Punkt. Die Problemstellungen sind so wie die Pralinenschachtel bei “Forrest Gump”: Man weiß nie, was man kriegt. Und je nachdem gilt es, den Dialog zu suchen. Im Idealfall muss tatsächlich einzeln über problematische Posts gesprochen werden und Bewusstsein darüber geschaffen werden, was okay ist und was nicht. Denn ein in irgendeinem Ordner abgelegtes Guideline-File liest niemand. Und wenn, ist das beim nächsten Twitter-Eklat wieder vergessen. In Extremfällen stößt man auf totale Uneinsichtigkeit und an die Dialoggrenzen. Dann wird es richtig problematisch. Aber das ist eine andere Geschichte.

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  • December 11, 2017
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Seit 1. Dezember habe ich eine neue Aufgabe bei derStandard.at, und zwar als Head of Audience and Traffic Management. Zugegeben, meine Chefin Gerlinde Hinterleitner und ich haben lange überlegt, wie wir einen besonders treffenden Bullshit-Bingo-Titel 😉 erfinden können, der möglichst fancy klingt, noch fancier sind aber die Tätigkeiten des Teams, das ich leiten darf: Gemeinsam mit meinen Kolleginnen Lisa Hanzl, Cristina Coconu, Sabine Henhapl und Barbara Hautzendorfer verantworte ich die Maßnahmen, die dazu führen, User auf die Inhalte von derStandard.at aufmerksam zu machen, sie dazu zu bringen, lange auf der Website zu bleiben und diese Inhalte dann womöglich auch noch mit anderen zu teilen.

Social Media, SEO, ditigales Marketing

Dazu gehören etwa smart SEO, intelligentes digitales Marketing, die richtige Analyse von Daten, die entsprechende „Verpackung“ von redaktionellen Inhalten für unterschiedliche Plattformen oder der passende Ton in sozialen Netzwerken.

Herausforderung

Was mich auch gleich zur meiner Meinung nach wichtigsten Herausforderung in diesem Job bringt: Gerade in Zeiten, wo viele Medien meinen, mit marktschreierischem Getue, nervigen Werbemitteln und der Überflutung von sinnlosen Kampagnen nach Klicks heischen zu müssen, ist es kein Leichtes, genau diese Klicks auch auf erträgliche, ja sogar angenehme und sinnvolle Art zu erreichen.

Ziele

Das ist aber genau unser Ziel: Ruhig bleiben, wenn andere hyperventilieren, nochmal (schnell ;-)) nachdenken, bevor andere schon twittern, Google, Facebook und Twitter weder verteufeln noch vergöttern und ein qualitativ hervorragendes Produkt an mündige und smarte LeserInnen zu kommunizieren.  Das wird oft schiefgehen und hoffentlich noch öfter funktionieren. Und darauf freue ich mich sehr.

Die richtigen Socken für den Erfolg muss ich bald noch kaufen.

Die richtigen Socken für den Erfolg muss ich bald noch kaufen.

Feedback? Immer gern an @lisapetete, lisa.stadler@derStandard.at oder sogar oldschool face to face.“

 

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  • December 19, 2016
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Dass der Egderank der natürliche Feind des Social Media Managers ist, ist ja nichts Neues. Anhand eines einfachen Beispiels kann man aber gut sehen, wie sehr Posts zum Teil “gedrosselt” werden und das Publikum oft nicht erreichen.

Fallbeispiel

Heute wurde bei der Facebook-Seite von derStandard.at mit 116.000 (nicht auf ebay gekauften) Fans ein Bild gepostet und bekam 44 Likes.

Bildschirmfoto 2013-12-01 um 22.31.00Zeitgleich wurde das Bild auch beim Instagram-Account von derStandard.at mit  bescheidenen 438 Followern gepostet. Das verursachte 13 Likes (und ich hab es noch nicht mal selbst geliket ;-)!).

Bildschirmfoto 2013-12-01 um 22.30.33Facebook spielt ja schon lange unterschiedliche Posts unterschiedlich oft aus, das heißt die Posts werden nicht immer für gleich viele Menschen im Newsfeed sichtbar, wenn sie sich durch die Timeline scrollen. Das hat ja auch seinen Sinn, so will Facebook garantieren, dass die User nur relevanten Inhalt sehen, der viel Feedback bekommt.

Fazit

Dieses eine (nicht repräsentative) Beispiel zeigt jedoch, wie massiv die Unterschiede sein könnnen. Klar, ein Werbeposting wie dieses bekommt vielleicht nicht tausende Likes, im Vergleich zum Response auf Instagram muss ich aber in dem Fall davon ausgehen, dass auf Facebook das Posting von viel weniger Menschen gesehen wird, als angegeben und potenziell möglich.

Ich bin zwar schlecht in Mathe und ja, es gibt unterschiedliche Publika für unterschiedliche Netzwerke, aber: Facebook spielt sich da auf eine Art mit der Reichweite, da ist Kaffeesudlesen eine Wissenschaft dagegen. Im Übrigen ist die Kombination aus Punschtrinken und STANDARD-Lesen sehr zu empfehlen.

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  • December 1, 2013
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Verschwörungstheorien kosteten mich immer nur höchstens ein müdes Lächeln. Bis zum Wochenende, an dem sich mir folgendes offenbarte:

Auf derStandard.at fand ich ein für Freunde der Sprache recht amüsantes Bild mit einem die Fantasie anregenden Tippsler:

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So weit, so erheiternd. DANN aber ereignete sich etwa eine Stunde nach der ÖAMTC-Entdeckung etwas Erschreckendes. Bei der Lektüre einer der Erzählungen von Alice Munro stach mir DAS HIER ins Auge:

Bildschirmfoto 2013-11-04 um 21.38.25An Zufälle kann ich natürlich jetzt nicht mehr glauben. Es ist vielmehr die ergreifende Wahrheit, dass die Nobelpreisträgerin und der ÖAMTC sich bereits auf die Zombie-Apokalypse vorbereiten und Eingeweihte sich mit Schweinwerfern rüsten. So, jetzt wisst ihr es.

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  • November 4, 2013
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Ein ordentlicher Social Media Manager postet heute ein Katzenfoto. So soll es sein. Letztes Wochenende machte ich dieses Foto von einem Foto eines Aufständischen in Warschau. Sehr empfehlenswert: Das Museum des Warschauer Aufstands dort, Tickets vorher online kaufen, sonst steht man ewig in der Schlange. Schönen Katzentag noch!

Foto

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  • August 8, 2013

Sechs Jahre ist es jetzt schon her, dass ETEPETETE beim springfestival den ersten Auftritt hatte. Auch dieses Jahr haben wir die Ehre unseren Geburtstag in unserer home base mit einem eigenen Abend zu feiern. Dieses Mal in Koop mit der wunderbaren Prasselbande und mit viel Liebe organisiert von @nanepetete. Als warm-up haben wir hier eine Playlist mit ein paar aktuellen Highlights, die meisten davon gibt es live bei unserem Halli Galli zu hören:
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  • May 10, 2013
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Heute durfte ich einen Abstecher auf die WU machen und einen Gastvortrag zum Thema Social Media und Start-Ups halten. Es war mir eine Ehre und ich hoffe, ich wurde auch verstanden – ich musste das erste Mal auf Englisch vortragen ;-).

Bildschirmfoto 2013-04-19 um 12.34.34Hier noch ein unterhaltsames Video, das ich auch heute als best practice Beispiel hergezeigt habe, thx to Andrew Cracknell:

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  • April 19, 2013
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In den letzten Wochen habe ich Sartre (erneut) für mich entdeckt. Bei der Lektüre seiner Briefe wird unter anderem eines klar: Es ist umso mehr schade, dass Sartre nicht mehr lebt, weil er mit Sicherheit ein Twitter-Superstar gewesen wäre. Für ihn und Simone de Beauvoir spielte die Mythologisierung des eigenen Lebens eine große Rolle: Sie schrieben sich ihr Leben sozusagen selbst: Hazel Rowley beschreibt das in “Tête -à-Tête: The Tumultuous Lives and Loves of Simone de Beauvoir and Jean-Paul Sartre” folgendermaßen:

“Both were heavily imbued with what Sartre called ‘the biographical illusion’ – the idea that ‘a lived life can resemble a recounted life’. Already in their adolescence they dreamed of their future lives as if through the eyes of posterity.”

Genau diese “biographical illusion” erheischt die meisten jener, die soziale Netzwerke nützen, jetzt auch. Durch die Erzählungen, die dort gepostet werden, bauen sich die User die eigene Biografie so, wie sie sie sich wünschen. Und viele werden sich wohl schon bei dem Gedanken darüber erwischt haben, wie gewisse Postings wohl in ein paar Tagen, Monaten, Jahren wirken mögen. Sartre schrieb private Briefe mit dem Wissen, ja gar dem Wunsch, dass diese einmal veröffentlicht werden. Diese Haltung punkto Mitteilungsbedürftigkeit und Privatheit hängt natürlich eng mit seiner Ideologie zusammen. Rowley:

“As existentialists, they believed that individuals are no more or less than the sum total of their actions, and offered themselves up willingly to the judgment of posterity. […] To them, the notion of privacy was a relic of bourgeois hypocrisy. […] ‘It wouldn’t occur to me to get rid of letters and documents concerning my private life’, Sartre said. ‘So much the better if this means I will be … transparent to posterity … I think that transparency should always be substituted for secrecy.'”

Briefe dienten Sartre als Möglichkeit der Transkription des unmittelbaren Lebens, hätte er also einen Twitter-Account und einen Blog gehabt, hätte das natürlich dort stattgefunden. Mit mindestens so vielen Followers wie Salman Rushdie sie hat. “Ich schreibe jetzt überall, wo ich mich niederlasse, Briefe […] Man könnte es briefliche Überbeanspruchung nennen”, schrieb er etwa Simone de Beauvoir (Jean Paul Sartre. Briefe an Simone de Beauvoir 1, 1984, S. 114) Oversharing wäre mit Sicherheit eines der Probleme des Sartre im Jahre 2012.

Ist exzessives lebensbegleitendes Posten also vielleicht eh ein alter Hut und keine neue Neurose des 21. Jahrhunderts? Wären abermillionen Briefe, Reiseberichte, Tagebücher – hätte es die Möglichkeit des Postens via soziale Netzwerke damals schon gegeben – im Web gelandet? Wahrscheinlich schon.

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  • December 2, 2012
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Anlässlich des FoodCamps möchte ich mich der Erforschung des Food Porns annähern. Mit der Beantwortung der Fragen rettet ihr die Menschheit:

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  • September 11, 2012
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Was Pinterest nicht kann, kann jetzt eine “neue” (?) App namens The Fancy – im Prinzip eine Kopie von Pinterest, bei der man Favorites zu eigenen Alben hinzufügt und das in den social networks teilt. (danke an Nane für den Hinweis)

Der Vorteil ist aber, dass viele Produkte direkt aus der (Facebook-)App heraus gekauft werden können (bei Pinterest ja nur mit externen Links möglich) Und noch besser für Konsumenten und Anbieter: Je mehr man fancied und Freunde aktiviert, desto mehr Bonuspunkte in Form von Bargeld und Badges werden gesammelt, im Grunde die alte Empfehlungslogik. Die Plattform bekommt eine Unmenge an Daten – und die User bleiben konsumsüchtig. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Pinterest das auch kann – oder untergeht.

 

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  • August 12, 2012
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