lisapetete

Heute hatte ich die Ehre den fjum Workshop über Social Media zu besuchen. Gesehen habe ich von Events dieser Art schon ein paar, viele waren leider eine Enttäuschung für mich, da nur die Basics besprochen wurden.

Der Vortragende von heute, Sree Sreenivasan von der Columbia University, hat hingegen Basics mit sehr hilfreichen Infos für “Fortgeschrittene” präsentiert, die ich der werten Leserschaft nicht vorenthalten will. Hier also eine kurze Aufzählung an Tools, die hoffentlich für manche brauchbar sind:

Geofeedia: location based monitoring von öffentlichen (!) Social Media Inhalten

Twiangulate: Influence-Research-Tool für Twitter

Socialflow: analysiert, wann am besten welche Inhalte gepostet werden sollen, gratis Testversion, dann kostenpflichtig

Tweriod: analysiert auch besten Zeitpunkt zum Twittern

(c) Walter Henisch

Links:

Social Media Guide

Mehr Fotos auf der fjum FB-Page

 

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  • June 20, 2012

Wie, wie nur konnte es passieren, dass wir Heißgetränke heute in diesen hässlichen Coffee Shops trinken und auch noch glauben, dass das besonders cool ist? Gegen den Süssi – Salon de Thé Français kann ein Pappbecher-Kaffeeausschenker jedenfalls einpacken. Mit der werten Anna Thalhammer wurde heute eine gediegene tea time abgehalten. Wie im Literatursalon des 19. Jahrhunderts philosophierten wir ein wenig über Poeme, die Gesellschaft und so. Wir haben uns aber am Ende doch nicht vor den Zug geworfen. Dafür schmecken die Süßigkeiten zu gut. Und wenn der Süssi jetzt auch noch W-Lan hätte, …

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  • June 10, 2012

veröffentlicht auf KURIER.at am 7.5.2012.

Eine Facebook-Page veröffentlicht alte iranische Magazin-Covers und macht so auf den kulturellen Wandel durch das islamische Regime aufmerksam. Zur Bildergalerie geht es hier.

Freizügig gekleidete Frauen, westliche Mode frisch aus Paris und Reportagen über die berühmtesten Fallschirmspringerinnen des Landes. Kaum jemand stellt sich hierzulande so die Inhalte iranischer Frauenmagazine vor. Dass die gesellschaftliche Situation für Frauen im Iran vor nicht allzu langer Zeit anders war als heute, zeigt unter anderem eine Facebook-Fanpage, die Magazin-Covers aus der Zeit der Weißen Revolution (Liberalisierung unter Schah Mohammed Reza Pahlavi 1963-1979) veröffentlicht.

Shabnam (57) und ihre Tochter Nooshin (32)*, zwei Wienerinnen, die 1985 aus dem Iran emigriert sind, erinnern sich an die Zeit vor der islamischen Revolution und wie die Magazine die damalige Gesellschaft widerspiegeln. „Die Zeitschriften enthielten damals auch oft Schnittvorlagen, nach denen man sich die neueste Mode nachschneidern konnte. Meine Familie stammte aus der Mittelschicht, ich konnte mir also keine Designer-Mode leisten, aber selbst nähte ich mir die Imitate, das war gar kein Problem,“ erzählt Shabnam. „Maxijupe oder Minijupe waren damals besonders in. Es dauerte nur wenige Wochen bis der neueste Trend aus Paris in Teheran angekommen war.“

Shabnam wurde 1955 in eine Gesellschaft geboren, die sich im Aufbruch befand. Schah Mohammed Reza Pahlavi orientierte sich stark am Westen und setzte maßgebende Veränderungen durch. Frauen erhielten 1963 das Wahlrecht, wurden erstmals in öffentlichen Ämtern eingesetzt, konnten etwa studieren und alleine reisen. Binnen weniger Jahre wurde der Iran zum Industriestaat. Schiitische Geistliche wandten sich aber gegen die sozialen Reformen. „Natürlich gab es damals Konservative. Die Religion spielte aber keine Rolle im öffentlichen Leben. Sobald du aus dem Haus gingst, war die Religion egal. Die Frauenzeitschriften, die inhaltlich westlich orientiert waren, waren aber ein Dorn im Auge der Konservativen.“

Westliche Popkultur, die in Magazinen wie Banuvan (Frauen) oder Zane Rooz (Frau von heute) vorkam, war kein Fremdkörper für die damaligen Iranerinnen. Shabnams Schwester selbst war Schauspielerin und synchronisierte ausländische Filme. „Wenn du wolltest, konntest du ins Theater, Kino, politische Kabarett oder in Discotheken gehen. Zuhause empfingen wir amerikanisches TV und bekamen etwa die Studentenrevolten oder die Anti-Kriegs-Demonstrationen mit. Wir tranken auch Whiskey, das war ganz normal. Das wichtigste war aber, dass wir keine Angst haben mussten. Die Sicherheit war soweit gegeben, dass man als Frau alleine durch die Straßen gehen konnte. Heute ist das undenkbar“, erinnert sich Shabnam.

“Alles, was erkämpft wurde, war sofort wieder weg.”

Binnen kurzer Zeit schlug die liberale Stimmung aber um. Nach der islamischen Revolution 1979 dauerte es nur wenige Jahre, bis Schrecken und Unterdrückung den Alltag prägten. Das Regime unter Ayatollah Khomeini verfolgte eine antiwestliche Linie. Ein Schlüsselerlebnis hatte Shabnam 1984 an dem Tag, an dem sie ihrer Tochter Kleidung für den ersten Schultag kaufen wollte. „Damals mussten die Frauen schon verhüllt sein, ich trug also Kopftuch und lange Kleidung. Allerdings hatte ich Sandalen an und meine Zehen schauten vorne raus. Die Verkäuferin ließ mich nicht in das Geschäft bis ich mir Strümpfe übergezogen hatte. Und das bei über 40 Grad. Alles, was erkämpft wurde, war sofort wieder weg.“

Nooshin verließ mit ihrer Mutter im Alter von sieben Jahren den Iran. Die zurückgebliebene Verwandtschaft sieht sie zusehends dem Materialismus verfallen. „Es zählt nur mehr das Geld. Du brauchst es um andere zu schmieren und um deinen Status zu zeigen.“ Trotzdem will sie  wieder für längere Zeit zurückkehren, um die Verbundenheit zur Heimat nicht zu verlieren. Ihre Verwandten aber raten ihr jedes Jahr, die Reise zu verschieben. Es sei zu gefährlich, meinen sie. Iraner mit Kontakten ins Ausland haben tatsächlich Verhaftungen zu befürchten. Amnesty International berichtet von verstärkter Unterdrückung der Opposition, insbesondere wird hart gegen Frauenrechtlerinnen vorgegangen. So wurde 2011 etwa Fereshteh Shirazi festgenommen oder die Bloggerin Somayeh Tohidlou wegen Präsidentenbeleidigung zu 50 Peitschenhieben verurteilt. Frauenmagazine im Stil der 70er Jahre gibt es heute nicht mehr, der Iran liegt auf Platz 175 auf der Rangliste der Pressefreiheit (Bericht 2011 und gehört somit zu den reppresivsten Staaten weltweit. Oppositionelle Facebook-Gruppen und –Pages oder die Seite „Old Iranian Magazine Covers“ sind kleine Versuche zumindest auf die Missstände aufmerksam zu machen.

*Namen von der Redaktion geändert.

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  • May 8, 2012

Nachdem ich mir gestern die Oldenburg-Ausstellung im mumok zu Gemüte geführt habe, hier eine kleine Ode an den Künstler, den ich hiermit in die Schublade des Foodpornisten einordne.

Hach, als Claes Oldenburg mit seiner Pop Art berühmt wurde, konnte er noch nicht wissen, dass in ein paar Jahrzehnten Millionen User nichts Besseres zu tun haben als Fotos von dem, was sie essen, in sozialen Netzwerken zu posten. Dass unser täglich Brot aber eine noch extremere kulturelle Überhöhung als in den Sechzigern erfahren wird, muss er geahnt haben: Nicht umsonst nahm er sich in seiner Kunst der Zelebrierung von (Fast) Food an und führte die Ästhetisierung von Essen – wie es auch extrem in amerikanischer Werbung stattfand – ad absurdum.

Hier zum Vergleich Originale und Kunstobjekte, wer erkennt den Unterschied?

Noch mehr Fotos und Infos zur Aussstellung gibt es übrigens bei The Gap.

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  • April 2, 2012
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Veröffentlicht auf KURIER.at am 19.3.2012.

Warum eine permanent kommunizierende Gesellschaft die Politik auf den Kopf stellen wird, erzählt der Politiker Michel Reimon in “Incommunicado”.

Was für ein Timing: Dass das Thema Urheberrecht die Massen beschäftigen würde, hätte vor ein paar Jahren wohl kaum jemand gedacht. Michel Reimon traf aber genau ins Schwarze und begann an einem Roman zur Thematik arbeiten. Jetzt, wo die Bürger wegen ACTA auf die Straße gehen und die Zeit mit “Ist das Urheberrecht die neue Atomkraft”titelt, wird sein Buch veröffentlicht. Dabei war er bereits 2009 fertig – der Roman über eine kleine Band, die in einen Rechtsstreit mit einem großen Konzern gerät, erzählt Reimon im Gespräch mit KURIER.

David gegen Goliath, Kreativität gegen die Klauen der Industrie, die sich in digitalen Zeiten nicht mehr anders zu helfen weiß als wie wild um sich herumzuklagen. Doch dann machte Reimon einen Fehler, zumindest was die Vermarktung seines Buchs angeht: Er wurde Spitzenkandidat der Grünen bei der Landtagswahl im Burgenland 2010. Und somit für Verlage als Autor uninteressant. Bücher von aktiven Politikern verkaufen sich meistens schlecht, aber Romane von Politikern verkaufen sich gar nicht. “Überlegen Sie doch mal: Würden Sie einen Roman von einem Politiker kaufen?” sagte die Literaturagentin zu Michel Reimon.

Brauchen wir in Zukunft noch Verlage?

“Macht nichts”, dachte sich Reimon und entschied sich schlussendlich dazu, “Incommunicado” (nicht fähig, mit der Außenwelt zu kommunizieren), so der Titel des Werks, selbst zu veröffentlichen. Ohne Verlag, nur digital und auch noch gratis. Idealistischer Autoren-Selbstmord? Nicht unbedingt – ist Reimon doch einer der wenigen hierzulande, die online gut vernetzt sind und dadurch die Öffentlichkeit erreichen können. Ganz ohne Verlag als Multiplikator. Mit rund 5.000 Followers alleine auf Twitter und einem gut gewarteten Blog ist er im kleinen Österreich schon vorne mit dabei. “Ein Manuskript abzulehnen und in Schubladen vergilben zu lassen – das ist ein altes Konzept. Das hat keine Zukunft. […] Ich will meine Arbeit diskutieren, mit möglichst vielen Menschen”, schreibt Reimon auf seinem Blog.

Eine absurde Handlung, die gar nicht so absurd ist

Worum geht es also genau in “Incommunicado”? Temporeich und unterhaltsam wird die Geschichte eines Musikjournalisten erzählt, der eine Band kennenlernt, die eine Schweigeminute im Repertoire hat. Gleichzeitig arbeitet die Musikindustrie gerade an einem neuen Geschäftsmodell: Nachdem mit dem Verkauf von Musik kein Geld mehr zu machen ist, sollen so viele Nutzungsrechte für Werke wie nur möglich gekauft werden um dann klagen zu können, wenn jemand anderer auf das Ursprungswerk verweist, eine zentrale Verwaltungsstelle für Coverversionen und Samples also. Im Buch heißt es: “Wir kassieren nicht mehr bei den Konsumenten, sondern bei den Bands. Wir werden uns nicht mehr damit aufhalten, die illegalen Downloads zu bekämpfen. Das ist ohnehin ein Guerillakrieg, für den wir viel zu schwerfällig sind.”Die Schweigeminute der Band im Roman wird also zum Klagsfall. Denn nach der Logik der Industrie verletzt die Schweigeminute die Rechte an der Vervielfältigung von John Cages “4’’33” aus dem Jahr 1952. Im Stück des Experimentalmusikers Cage wird vier Minuten und 33 Sekunden lang kein einziger Ton abgespielt. Klingt absurd? So abwegig ist das gar nicht: Mike Batt wurde 2002 von John Cages Erben verklagt, weil er das Stück “One Minute Silence” veröffentlicht hatte. Am Ende stellte sich aber heraus, dass die Klage ein PR-Gag war um Batts Werk zu pushen. Ganz ähnlich geht es in “Incommunicado” zu: Die Band wird verklagt, wehrt sich und wird durch die Auflehnung gegen die bösen, großen Konzerne und ihre Forderung auf das “Recht auf Schweigen” so bekannt, dass ihnen eine eigene Bewegung folgt.

Phänomene wie die ACTA-Proteste zeigen, dass der Diskurs um Internet als öffentlicher Raum und Datenschutzbestimmungen kein Randthema mehr ist. Die Fronten sind so verhärtet, dass eine sinnvolle Diskussion zur Zeit kaum möglich ist: die einen wollen ein freies Internet und neue Geschäftsmodelle für die Industrie, die anderen sehen die Existenz einer riesigen Branche gefährdet. Wie so ein neues Geschäftsmodell aussehen könnte, wo die User es gewohnt sind, Filme, Musik, Bücher gratis downzuloaden, weiß allerdings auch noch niemand so wirklich. Höchstens Anbieter wie flattr sind kleine Schritte in eine neue Richtung. Erst am 9. März 2012 sorgte etwa die Band Deichkind in Deutschland für Aufsehen. Nachdem ihr Musikvideo zum Track “Leider geil” gesperrt wurde, posteten sie auf Facebook: “Sooo, “Leider geil” ist jetzt auch gesperrt. Ob Plattenfirma, Youtube oder GEMA, egal wer dafür verantwortlich ist. Wir wollen, dass unsere Videos zu sehen sind. Regelt euren Scheiß jetzt endlich mal und macht eure Hausaufgaben. Ihr seid Evolutionsbremsen und nervt uns alle gewaltig..” Am 17. März hat dieses Posting 31.728 Likes, 3.834 Shares sowie 1.513 Kommentare – und das Video ist aufgrund der Proteste der Fans schon längst wieder zugänglich gemacht worden.

“Netzpolitik ist einer der größten politischen Umbruchbereiche der nächsten Jahrzehnte. Es ist mindestens so bedeutend wie damals das Aufkommen der Umweltpolitik. Deswegen habe ich mich auch im Roman diesem Thema gewidmet”, meint Reimon im Interview mit dem KURIER. “Wir als Gesellschaft müssen uns massiv überlegen, wie wir mit geistigem Eigentum in Zeiten der Vernetzung umgehen. Ich bin nicht dafür, dass alles gratis ist. Möglichst viele Kreative sollen von ihrer Arbeit leben können. Das Problem ist, dass wir uns auf einen anderen Extrempunkt zubewegen. Und damit beschäftigt sich mein Roman.”

Auf die Frage, warum er denn nicht ein Sachbuch dazu verfasst hat und stattdessen einen Roman geschrieben hat, sagt der Autor: “Ich habe am Anfang Einstiege in einzelne Artikel für ein Sachbuch zu dem Thema geschrieben – und sie waren die schlechtesten Texte, die ich je verfasst habe, wirklich erbärmlich schlecht. Nach dem Scheitern am Sachbuch kam mir die Idee, das als Roman anzugehen. Ich dachte mir, das ist eine einfache Form, ich habe keine Längenbegrenzungen und keinen Abgabgetermin. Außerdem kann man mit der unterhaltsamen Form des Romans die Informationen viel besser vermitteln. Ich habe versucht so viel Information unterzubringen wie nur möglich. ‚Incommunicado’ ist also bewusst ein halbes Sachbuch.”

Michel Reimon (40) war 2002 Pressesprecher der Initiative STOPP GATS und veröffentlichte sein erstes Buch “Days of Action”. Zusammen mit Christian Felber folgte 2003 das “Schwarzbuch Privatisierung. 2004 trat er den Grünen bei und wurde Pressesprecher des burgenländischen Landesverbandes. Seit Februar 2012 ist sein Roman “Incommunicado” (581 Seiten) auf reimon.net kostenlos ohne DRM downloadbar.

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  • March 25, 2012

Veröffentlicht auf KURIER.at am 7.3.2012.

Während sich die Opposition geschickt im Netz bewegt, hat Putin damit noch zu kämpfen.

Eine ältere Dame im dicken Pelzmantel liest auf ihrem iPad, ein paar Plätze weiter dreht ein Mann mit seinem Smartphone ein Video von einer Frau, die offensichtlich nicht ganz bei Sinnen die Nationalhymne kreischt. Und das schon seit drei Minuten. Eine andere Frau versucht all das zu ignorieren und vertieft sich in ihren Kindle. So geht es zu an einem ganz normalen Tag in der Moskauer Metro. Das Internet und die sozialen Netzwerke haben die Großstädte Russlands schon längst erreicht, und zwar mit einer Rasanz, die sonstige Anachronismen des Landes oft noch mehr hervorhebt. Die Waggons der Metro sind zwar alt, das kostenlose W-Lan für das gesamte Netzwerk der in den 30er-Jahren gebauten U-Bahn ist aber schon in Arbeit. “Wir brauchen ja sonst nichts Wichtigeres”, kommentiert der junge Moskauer Ildar ironisch das geplante Service für die Bürger.

Er selbst ist aber bei jeder Gelegenheit online. Die Wahlen zum Beispiel – erstmals per Webcams in allen Wahllokalen per Internet verfolgbar – wurden zum Online-Hit. “Ruf mich an, bevor du den Raum betrittst! Registriere dich am besten beim Mädchen in der Mitte, da sehe ich dich am besten”, befiehlt Ildar seinen Freunden, damit er einen Screenshot von ihnen beim Einwerfen des Wahlzettels in die Urne machen kann. Die Fotos werden sofort auf Facebook, Twitter oder dem speziell in Russland beliebten Netzwerk VKontakte gepostet – so wie die meisten anderen mehr oder weniger wichtigen Informationen aus seinem Leben auch. Dass die sozialen Netzwerke also auch als Informationsquelle und Austauschmöglichkeit vor der Wahl dienten, versteht sich von selbst.

Opposition im Netz

Ildar kennt sich im Netz aus.Bei der Web 2.0-Präsenz hat die Opposition die Nase vorn. Der Blogger Alexej Nawalny etwa, einer der Köpfe der Protestbewegung, nützt das Web effektiv für seine Ziele. Die kritische Moderatorin und Journalistin Xenia Sobtschak hat 380.000 Followers auf Twitter und Portale wie OpenSpace.ru, Slon.ru, LiveJournal.ru (das Medium Nawalnys) oder Snob.ru (im Besitz von Kandidat Prochorow) posten ihre Informationen wenn nötig im Minutentakt in den sozialen Netzwerken.

Die Oppositionsbewegung weiß auch mit der Produktion und Vereinnahmung von Memen umzugehen, Internet-Phänomenen, die sich von selbst weiterverbreiten: Ein Montage-Video, wo Putin hinter Gittern vor der Anklage zu sehen ist wurde etwa schon über fünf Millionen Mal gesehen. Wenige Minuten, nachdem Putin mit Tränen im Gesicht seine vorzeitige Siegesrede hielt, kursierte bereits ein Screenshot davon auf Facebook. Die Unterschrift des Bildes lautet “Moskau glaubt den Tränen nicht” – gleichzeitig der Titel eines sehr bekannten sowjetischen Filmes. Einen Tag danach war der Spruch schon auf den Protestplakaten zu sehen.

Brachland

Diese Dynamik haben die Anhänger von Putin noch nicht verstanden. Es wird vorrangig mit allen möglichen Mitteln versucht dem Austausch im Netz ein Bein zu stellen. So wurden einige der oben genannten Portale bei der Parlamentswahl im Dezember kurzfristig blockiert, auf Twitter war die Rede von Fake-Accounts, die wirre Informationen zu Demos posten und es gab einige Hacker-Angriffe auf Oppositionelle, um sie mit der Veröffentlichung prekärer Infos bloßzustellen. All das sind zwar kurzfristig effektive Möglichkeiten um etwas Unruhe zu stiften, zielt aber nur auf Unterbindung ab. Das Gegenteil davon, also die effektive Mobilisierung der Massen mithilfe des Internets generell und der sozialen Netzwerke im Speziellen ist noch Brachland in Russland.

Zwar tut sich wie oben beschrieben vor allem auf oppositioneller Seite schon einiges, gezielte und sehr große Aktionen speziell für die sozialen Netzwerke wie sie es beim Obama-Wahlkampf schon 2008 gab, waren noch nicht da. Wer in Russland dieses Potenzial in den nächsten Jahren nützt, wird es wesentlich leichter haben beim Spiel mit der Macht. Voraussetzung für das Machtspiel ist aber überhaupt das Zulassen der demokratischen Mechanismen der sozialen Netzwerke. Am Umgang Putins damit werden wir mitunter sehen, welche Richtung eingeschlagen wird.

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  • March 7, 2012
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Unterstützer Putins am Weg zur Kundgebung am 4.3.

 

 

"Noch 12 Jahre? Nein, danke!" Ankündigung der Anti-Putin-Kundgebung am 5.3.

 

 

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  • March 4, 2012
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Am Donnerstag präsentierte das Sound:Frame Festival das Programm für 2012. Thema ist von 12.-22.4. das “Substructions” – Rahmenbedingungen.

Veröffentlicht auf KURIER.at am 2.3.2012.

Eva Fischer sattelte bei der Programmpräsentation für das “Festival for audiovisual expressions” das Pferd von hinten auf: Die Intendantin des Sound:Frame Festivals für audiovisuelle Kunst bedankte sich bei ihrem Team und stellte jeden einzelnen Mitarbeiter mit seiner Tätigkeit kurz vor. Nicht ohne Grund drehte sie die klassische Dramaturgie einer Pressekonferenz um: Bei der sechsten Ausgabe des Sound:Frame stehen nämlich der Unterbau, die Rahmenbedinungen, die “Substructions”, wie das Festival es selbst etwas sperrig benennt, im Zentrum. Das Thema habe sich ergeben, meint Eva Fischer, denn gerade dieses Jahr müssen viele Festivals mehr als sonst mit den Rahmenbedingungen auseinandersetzen, die ein Event überhaupt ermöglichen. Bei einigen kleineren Festivals ziehen Sponsoren ihre Gelder zurück, A1 hat etwa beim Crossing Europe Festival einen Rückzieher gemacht – und auch das Sound:Frame muss wegen ausfallender Unterstützungen kleiner werden. Statt fetten Locations wie der Ottakringer Brauerei und Party-Bim dorthin weicht man in den kleinen Morrison Club, ins Fluc, oder ins Brutaus.

Programm: Mehr Theorie, weniger Party

Inhaltlich teilt sich das Festival auf die Schwerpunkte Ausstellung, Konferenz und Live-Programmierung auf. Neu ist dieses Jahr die Ausstellungslocation MAK, die durch den jahrelangen Sound:Frame-Unterstützer und MAK-Direktor Christoph Thun-Hohenstein zustande kam.

Zeit für das fröhliche Namedropping: Von 12.-29.4. zeigen im MAK die Künstler Robert Henke aka Monolake, Herman Kolgen, Tarik Barri, Rainer Kohlberger, depart, Jan Jelinek und Karl Kliem ihre neuesten Auseinandersetzungen mit Visuals. Dazu erscheint ein Katalog, in dem auch Textbeiträge rund um das Thema Nachhaltigkeit Platz finden. Als Inhaltsspender konnten unter anderen Thomas Weber vom Biorama Magazin und Christian Höller von der springerin gewonnen werden – sie sind mit anderen Who-is-Whos der österreichischen Kulturszene auch bei den Vorträgen und Diskussionen, die während des Festivals stattfinden, mit dabei. Von den rund fünfzig Artists, die bis jetzt für das Live-Programm feststehen, gehören musikalisch John Talabot (Permanent Vacation, Young Turks/Barcelona), Taylor McFerrin (Brainfeeder/NYC) und ein Showcase des Boiler Room zu den Highlights. Auf der Visuals-Seite, die ja beim Sound:Frame im Zentrum steht, setzt man heuer stark auf heimische Artists: Strukt, ENSCHA, kon.txt, LWZ oder Bildwerk sind mit mit von der Partie, aus Berlin kommen Gezwinele les Günfiés und eyefatiguè.

Das Sound:Frame wird erwachsen

War das Sound:Frame vor ein paar Jahren noch ein Musikfestival, das die Visuals in den Vordergrund stellte, ist es jetzt ein Kunst- und Theoriefestival mit Partyline. “Das Festival ist mit uns erwachsen geworden.” bestätigt Fischer diesen Eindruck gegenüber dem KURIER. Zum Erwachsenwerden gehört eben leider auch die Auseinandersetzung mit diversen Problemen, in diesem Fall sind es die erschwerten Rahmenbedingungen für Festivals mit Mut zur Nische. Anstatt sie auf Wiener Art niederzunörgeln, wird der Unterbau samt Problemen aufs Podest geholt und zur Rede gestellt. Gut so – und für die gute Party muss dann nach ernsten Diskussionen eben noch härter gearbeitet werden.

 

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  • March 2, 2012